Rob Baan über Tuinkers

Es ist Frühling! Zumindest im Gewächshaus, draußen müssen Sie noch ein wenig länger darauf warten. Holen Sie sich mit einem kleinen Kästchen Gartenkresse auf der Fensterbank den Frühling ins Haus. Es hat etwas altmodisch und so nostalgisch an sich … ich denke an meine Großmutter: ein weichgekochtes Ei, Schwarzbrot, Kresse darauf, angemacht mit ein wenig Speiseöl und einem Tropfen Essig … das war vor fast 50 Jahren. Damals hätte ich beim Genuss meines Kressebrots niemals gedacht, dass ich eines Tages zu den größten professionellen Kresseanbauern der Welt gehören werde. Wenn das meine Großmutter gewusst hätte!

Gartenkresse ist ein sehr altes Produkt. Die Gartenkresse stammt aus Nordafrika und ist auch in der Wildnis im Nahen Osten, in die Türkei und Persien zu finden: auf dem Weg der Karawanen der Seidenstraße. So konnte es geschehen, dass die kleine essbare Pflanze um die ganze Welt reiste. Die Händler kauften in China Seide und gingen zu Fuß nach Konstantinopel (Istanbul), um von dort aus die Seide in der westlichen Welt zu verkaufen.

Was hat Gartenkresse damit zu tun? Gartenkresse war eine Art Überlebenspaket für die Reisenden. Gab es keine frischen Lebensmittel mehr, dann goß man etwas Wasser zu einer Handvoll Gartenkressesamen in einem Lederbeutel, um sie zum Keimen zu bringen. Nach ein paar Tagen konnte die Gartenkresse als würziger Salat gegessen werden, der Energie zum Fortsetzen der Reise spendete. Da aber auch Wasser knapp werden konnte, musste man manchmal auf andere Möglichkeiten ausweichen. Die Gartenkresse wurde dann mit dem Urin aller Beteiligten getränkt. Das brauchen Sie zuhause nicht nachzumachen!

Die Technik der Samenkeimung in Kamelurin hat sich übrigens für viele Samen als gutes System erwiesen. Der hohe Salzgehalt lässt die Samen gleichmäßiger keimen als dies bei sauberem Wasser der Fall ist. Diese Technik wird heute weithin im Gartenbau angewendet. Ein weiterer Trick aus der damaligen Zeit: Wenn die Karawane eine Oase erreichte, wurde etwas Kresse gesät, um sie blühen zu lassen. Sie wurde dann von der nächsten Karawane geerntet. Und so hat die Gartenkresse den Menschen auf seinen Reisen durch die alte Welt begleitet.

Aber zurück zu heute. Gartenkresse wächst so schnell aus dem Boden, dass sie wirklich ein Frühlingsgefühl vermittelt. Die meisten Supermärkte und Gemüsehändler führen um Ostern herum Werbeaktionen mit dieser essbaren Pflanze durch. Das sehen wir auch in unseren Gärtnereien. Frühling und Gartenkresse gehören zusammen.

Nach dem Winter haben wir Bedarf an frischen Produkten. Die Glucosinolate (Substanzen, die für den würzigen Geschmack sorgen) stärken die Abwehrkräfte des Körpers. Sie fungieren als eine Art Weckruf für Ihr Immunsystem. Probieren Sie es aus. Die Karawanenreisenden waren gar nicht so dumm.

QUELLE: 24Kitchen

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